Ausgezeichnet für Chancengleichheit? – 21% kein Grund sich selbst zu feiern!

 

Die Leibniz Universität wurde im Oktober zum wiederholten Male mit dem Prädikat Total E-Quality für eine vorbildlich an Chancengleichheit orientierte Hochschul- und Personalpolitik „ausgezeichnet“.

Doch für uns Jusos ist ein Frauenanteil von 21% bei den Professuren kein Grund zu feiern und Geld sollte doch sinnvoller in Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung gesteckt werden, als sich dafür fragwürdige Prädikate zu kaufen.

Der Verein Total E-Quality Deutschland e. V. vergibt dieses Prädikat an Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verantwortung, die sich auf Grund ihres eigenen Engagements im Bereich Gleichstellung für das Prädikat bewerben.

Dabei legt der Verein laut eigener Homepage nicht nur ein veraltetes Bild von Gleichstellung nur zwischen Männern und Frauen, ohne neue oder weitere geschlechtliche Identifikationsmöglichkeiten, zu Grunde, sondern setzt selbst dafür Maßstäbe an, die nichts mit moderner Gleichstellung zu tun haben. Hier die Kriterien auf der Homepage, die nicht einmal alle erfüllt werden müssen: http://www.total-e-quality.de/fileadmin/user_upload/dokumente/Quick-Check_Wissenschaft.pdf (2.11.2014). Wir fragen, welche Institution kann nicht zumindest einige dieser Kriterien erfüllen? Es ist doch bei einer Institution der Größe der LUH kaum möglich keine Frau zu beschäftigen. Die Gesellschaft ist glücklicherweise zu großen Teilen schon weiter als diese veralteten Kriterien, dennoch ist Gleichstellung noch lange nicht erreicht. Doch diese Kriterien fordern höchstens eine minimale Einbeziehung Personen weiblichen Geschlechts und sind weit entfernt von echter Gleichstellung.

Um das Prädikat zu erhalten genügt es nicht einige dieser Kriterien zu erfüllen, es kostet zusätzlich noch Geld. Für die Leibniz Universität Hannover entstanden bei der Bewerbung Kosten von mindestens 2400 Euro, zusätzlich hat sich unter anderem auch die TIB/UB bereits für das Prädikat beworben, wobei weitere Kosten entstehen. Es handelt sich also in keinem Fall um eine Auszeichnung für das Engagement, sondern um ein erkauftes Prädikat in Verbindung mit der Erfüllung einiger weniger Kriterien. Die Universität feiert sich also selbst und schmückt sich mit dem Prädikat für einen Frauenanteil von 21% bei Professuren. Dass dieser Anteil über dem Bundesdurchschnitt liegt ist traurig genug, sich dafür zu feiern fast schon geschmacklos. Um tatsächliche Gleichberechtigung zu erhalten darf man jedoch nicht „die Hälfte der Talente […] ignorieren“, wie Frau von der Leyen auf der Homepage des Vereins verkündet, und daher ist für die JUSO HSG schon lange klar, wir brauchen einen Frauenanteil von 50%.

Forderungen der JUSO HSG zum Thema Gleichstellung werden an der Leibniz Universität noch lange nicht umgesetzt. Teilzeitstudiengänge sind noch immer schwierig zu finden und auch die Kinderbetreuung muss aufwändig organisiert werden, da sie sich auf zahlreiche Stellen verteilt. Und auch die MINT Studiengänge sind in Hannover weiterhin stark männlich dominiert. Es gibt also noch viel zu tun und mit Geld lässt sich sicherlich mehr erreichen, wenn es in Projekte angelegt wird, als wenn man dafür Prädikate kauft. Wem nutzt diese Selbstdarstellung nach außen? Den Frauen an der Leibniz Universität sicher nicht.

 


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